Report Spezial

Report Spezial
FS2
Mi, 08.04.2026 | 11:55 - 12:40

Politik (A 2026)

Lange Wartezeiten – oder zahlen. Was Patientinnen und Patienten am Gesundheitssystem am meisten stört. Und wie man das ändern könnte. Ein ORF-Report Spezial. "Ein halbes Jahr auf einen Termin warten." "Drei Monate Warten – nach einem epileptischen Anfall." Oder: "Beim Wahlarzt habe ich binnen 14 Tagen einen Termin gehabt." Diese und ähnliche Beschwerden über das Gesundheitssystem hat ORF-Report-Moderator Yilmaz Gülüm von rund 100 Menschen gehört, mit denen er für den Report Spezial gesprochen hat. Die Diagnose: Der Zugang zu medizinischen Behandlungen wird für viele zur Geduldsprobe – und das Vertrauen in das Gesundheitssystem bröckelt. Der Befund zeigt sich auch in einer OGM-Befragung. Die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem ist in den vergangenen 24 Jahren deutlich gesunken – von 84 auf 63 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil der Unzufriedenen mehr als verdoppelt (15 auf 36 Prozent). Warum wächst die Unzufriedenheit und was müsste sich ändern? Warum scheiterten Generationen von Gesundheitsministern an Reformen – und warum könnte es diesmal gelingen, den Wirrwarr an Kompetenzen und Geldströmen neu zu ordnen? Diesen Fragen geht der Report Spezial nach. K(l)assenfrage – Wer zahlt, kommt schneller dran "Die Wahlarztzentren schießen wie Schwammerl aus dem Boden", formuliert ein Mann in der Straßenumfrage. In der Tat stagniert die Zahl der Kassenärzte seit Jahrzehnten, während sich die Zahl der Wahlärzte in den vergangenen 25 Jahren mehr als verdoppelt hat. Die Konsequenz: Lange Wartezeiten auf einen Kassenarzttermin und immer weniger Zeit für Patienten. Oft bedeutet das: Wer es sich leisten kann, bekommt schneller Hilfe. Wer nicht zahlt, muss warten. Das hat die Politik mittlerweile als Problem erkannt. Aber wie kann man mehr Mediziner ins Kassensystem bringen? Patrick Gruska und Emanuel Liedl haben einen Kassenarzt in Niederösterreich und eine Wahlärztin in der Steiermark um ihre Diagnosen gebeten und konfrontieren Vertreter der Gesundheitskasse und der Ärztekammer mit ihren Recherchen. Festgefahren – Reformstau im System In Bad Aussee wurde eine Spitalsabteilung geschlossen, Patientinnen und Patienten werden künftig am größeren Standort Bad Ischl versorgt. Selbst diese kleine Zusammenlegung sorgte für viel Protest (und auch Beifall). Klar ist: Um das Gesundheitssystem künftig finanzieren zu können, müssen viele solcher Schritte gesetzt werden – und zwar rasch. "Jetzt ist eigentlich die letzte Chance, noch etwas zu verändern, bevor wir wirklich große Probleme bekommen", sagt Gesundheitsökonom Thomas Czypionka. Doch dafür müssten die Länder über ihren Schatten springen und kooperieren, anstatt auf Eigeninteressen zu beharren. Wie weit Veränderungen gehen können und müssen, haben Alexandra Nöbauer und Sabina Riedl recherchiert. Im Interview mit Eva Linsinger: Der ehemalige Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) – warum er wie alle Gesundheitsminister an einer Gesundheitsreform scheiterte – und warum jetzt ein Fenster für einen großen Wurf offen steht. Vorsorge-Muffel – viel Geld, wenig Prävention Österreich steckt im EU-Vergleich viel Geld ins Gesundheitssystem – aber nur einen kleinen Teil in Prävention: 2024 wurden mehr als 43 Millionen Euro ausgegeben – lediglich 2,3 Prozent für Prävention. Gleichzeitig sind die Österreicher Präventions-faul, nur fünfzehn Prozent gehen jährlich zur Vorsorgeuntersuchung. Dabei könnte Krankheiten wie Knochenschwund oder Diabetes Typ 2 komplett vorgebeugt werden. Länder wie Deutschland haben bereits ein eigenes Präventionsgesetz. Laura Franz und Sophie-Kristin Hausberger gehen den Fragen nach, warum Österreich so stark auf Reparaturmedizin setzt und warum das teuer und ungesund ist.

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  • Wer zahlt – kommt dran: Woran das Gesundheitssystem leidet.
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